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Südtirol Take 2 zu dritt

Mitte September ist anders als Oktober letztes Jahr . nämlich Südtirol voll. nicht nur voll von Äpfeln sondern auch Campern. Höchst Saison!

Ehe ich jedem einzeln schreibe oder antworte, hier das Tagebuch für mich und alle. also immer wieder reinschauen, wer mag. Manches ist nur Erinnerung für mich, ich kann nicht unterschiedliche Sichten separieren. Jedenfalls nicht im Urlaubs-Stream.


15.9. Sonntag

ich packe den Rest bis 11 Uhr oder auch das Packen gibt mir den Rest.

Raststätte Schindler von 1340 bis 1440. wie so oft wollten sie keine Wahl haben beim Anruf 2 h vor Ernstfall. für die gewöhnlich ungewöhnliche Auftischung bin ich aber auch durchgefahren.

auch hannerl getroffen. hauptberuflich oma von 6 Enkeln..

an Caroline ist der kelch vorüber gefahren.

(Caroline lebt bei Innsbruck, Florian und ich kennen sie von ihrem Podcast über CFS. sie hat uns in Bodenwöhr besucht für einige Tage. weil das gute Tage waren und sie gute Laune macht, ist sie immer in Gefahr, auf dem Weg in den Süden heimgesucht zu werden. vorher, als sie im Oman Deutsch für Ausländer unterrichtet hat, war diese Gefahr viel geringer.)

sie hat sich lange genug tot gestellt, also nicht geantwortet, also sind wir nach links in den Stau abgebogen zum Brenner. später hat sie geschrieben, sie hätte sich gar nicht tot gestellt, sie wäre die meiste Zeit scheintot. nix gut. leider. vielleicht ist sie auf der Rückreise dran.

abends 1930 Camping Moosbauer bei Bozen:

enge zufahrt, es kann nur einen geben. knapp 1 km lang.

Rezeption geschlossen.

Restaurant: freundlich, sieht gut aus: aber Campingplatz voll. am Sonntag abend!

umkehren mit Anhänger mühsam.

beim rausfahren auf die Hauptstraße sehe ich das rote Schild: Besetzt. später hätte ich es auch früher gewusst.

nächste 2 Campingplätze ebenfalls. alles nicht einfach anzufahren. und schon gar nicht zu telefonieren.

auf dem Weg zum vierten, den ich von früher kenne, abseits der Hauptstraße nach Meran, Tisens, finde ich Parkplatz mit einigen Campern in Nals.

Nachbar aus Passau erzählt mir, zwei weitere in der Nähe ebenfalls voll. Tisens auch. bis Ende September .

wir bleiben die Nacht.

schönes Wetter am Morgen.

Bäckerei 300m. schön und gut.

kabel war im Wasserkocher.

nette Politessen: mit dach ist Camping und verboten. kein Stress.

weitere 4 Campingplätze zwischen meran und Bozen angerufen: voll. davon einer mit Preis ab 85 die Nacht in Meran.

bekomme letzten Platz in Latsch mit hallo Kollege. frei für unsere gesamte Zeit, also übers WE hinaus.

witzigerweise exakt derselbe Stellplatz am Fluss wie im Juni.

Jon’s Identifizierung: with the robots, das restaurant.

jetzt 17 Grad und sehr windig. aber leichte Erwärmung in Sicht.

seltsames Gefühl, vielleicht den letzten Stellplatz im Etschtal bekommen zu haben. auch noch mit Walnüssen am Boden von den beiden Bäumen an denen wir stehen. Traum Revier für Susi.

die Nacht mit Susi war anstrengend, aber ab morgens ist sie sehr gut drauf. jon auch.

erst mal Mittagsschlaf, legal. angekommen.

Rathaus Cafe heiße Schokolade und Zwetschgen datschi. für Bekämpfung von kalt und Wind .

Cesar Salat holen für Busserl Dinner. treffe Robots, Senior Chefin und Lieblings Bedienung.

apropos Busserl Sinner (Tastatur Vorschlag vorher): Susi schläft schon im Lehnstuhl aka Beifahrer Sitz mit Füssen auf Couch. ich esse Salat Hälfte alleine. mit dunklem Weizen. zur Entschärfung des Lebens oder und Schärfung der Gedanken, Ankurbelung von Schreiblust.

geniesse Luxus pur in dieser windigen Situation : Susi schläft friedlich. Wind pfeift ums Dachzelt (na gut, weht). Heizung kuschelt uns ein. wir sind nicht auf der Flucht wie gestern um diese Zeit.

schade, dass wir bei Moosbauer Bozen nicht sein konnten. abgesehen von viel wärmer sind wir am Krankenhaus Bozen vorbeigefahren. dabei ist mir eingefallen, dass Dr. Cecilia „Ceci“ Raccagnii jetzt Chefärztin Parkinson dort ist. sie war in Innsbruck die quirlige gute Seele für Susi und uns und die erste, die MSA verneint hatte. aber als Assistenz Ärztin war sie vom Prof nicht gehört worden. ich hätte sie gefragt, ob sie uns treffen will. für update und Wiedersehen.

Einschub Gedanken aus chat:

[16.9., 15:27] Petra Karba: Für mich hört sich das an, als ob der Urlaub zur Qual wurde 🫣
[16.9., 16:43] Hannes Schießl: nur Quälchen. wie blumau halt. 😎
[16.9., 16:44] Hannes Schießl: wenn ich nicht von positiver bilanz ausgehen würde, würde ich es nicht tun.
[16.9., 16:59] Hannes Schießl: ausserdem: Abenteuer am Anfang. Überleben wir die Nacht? werden wir verhaftet? helfen die Behinderten Ausweise?
[16.9., 17:22] Petra Karba: Ich bewundere dich, dass du das so sehen kannst. Wirklich.
[16.9., 18:59] Hannes Schießl: danke. kann ich brauchen.
[16.9., 19:05] Hannes Schießl: bisschen Wahrheit, bisschen Selbstüberlistung. funny: die Tastatur hat als Alternative angeboten: Selbstüberlastung und ich hatte vertippt:  Selbstüberlustung.
not funny: alles dieses stimmt.

also Luxus!? jedenfalls liebe ich es, hier zu sitzen und sinnieren.

was bei anderen oft als HassLiebe beschrieben wird, benannt wird, ist bei mir VerzweiflungsLiebe. besser: Verzweiflung / Liebe. so wie auch Hass / Liebe zwischen diesen Zuständen mäandert. wir haben gute Zeiten, erträgliche Zeiten, liebevolle Zeiten, ätzende Zeiten, verzweifelte Zeiten, unbeherrschte Zeiten, Anflüge von ich kann’s doch nicht, mindestens dieses Urlaubs Abenteuer.

aber: andere zerlegts im Urlaub aus Überdruss oder anderer Abenteuer Lust. oder aus den gleichen Gründen an Weihnachten. also kein Grund, diesen Urlaub zu meiden. No risk no fun. no risk no life. oder weniger als möglich. oder zu früh aufgegeben. never ever give up.

Wäre Jon nicht dabei, wärs nicht mehr möglich, nicht erträglich. überhaupt: wäre Jon nicht, ging dieses Leben gar nicht.

also: genießen, machen. jeden Tag den ersten Tee Schluck genießen, den ersten Bissen. die Sonne, wenn da, die Busserl Wärme, wenn nix Sonne. den Espresso natürlich. Croissants um Urlaub. alles, was gut ist, mitnehmen. Liebe genießen – und sei es vergangene.

Dienstag:

bestelle Winterreifen bei Mahag für nächste Woche. plus Probefahrt nochmal, wenn ich schon sowieso den Abstecher machen muss / darf.

kleine Ausfahrt nach Naturns mit Besuch im Radlbahnhof. Wir waren im Juni dort, war gut. netter kleiner Garten.

Höre mit Bose Brille unterwegs Amy LaVere, wieder mal. Folgende Titel oder Textzeilen fallen mir auf:

Killing him didn’t make the love go away. Hat zu tun mit heute Nacht:

Wegen Sturm das Zelt bzw Dach abgesenkt. Susi war unruhig, dass es das Zelt zerlegt. Also wir beide unten nebeneinander, die ganze Nacht. Die Enge bzw Nicht-Breite (1,14) wäre nicht das Problem, damit haben wir früher schon geschlafen, wenn Dach nicht hoch sollte und andere Paare können das auch. Aber die vielen Intermezzi und mehr als einmal an Abbruch des (letzten?) Abenteuers zu denken, drängt mir einige Fragen auf:

zunächst, wieso irgendein Mensch auf die Idee kommt, einen Multivan zu bewohnen samt vorangehendem Selbstausbau anstatt sich gleich einen California mit dem sagenhaft praktischen und schönem ersten Stock zu gönnen. In diesem, meinen Fall, praktisch nötig.

zusätzlich zu nötig auch wunderschön der Blick ins rote Zelt. und das Raumgefühl: mehr als locker stehen zu können und am aufsteigenden Dach rauf und runter zu blicken

und dann gibts noch den schönen Spruch von Amy in Snowflake: move to my own drum. auch eines meiner Meme oder gar kleinen Narrative.

genauso schöner als das deutsche äquivalent: I scratch your back – you scratch my back. …

Trump, Putin, unser Kanzler … haben alle keine Diagnose, sind aber ähnlich außerhalb der Realität, wie die Stimme, die ich oft höre. die aber immerhin ihren Unsinn wesentlich besser und schöner formuliert.

jon schickt mich allein sein. also fahre ich der Sonne entgegen. Amy hängt mir über die Schulter.

Mittwoch

überraschend gute und ruhige Nacht. Nur eine Panik im Traum und normaler Pinkel Einsatz. morgens entspannte Laune, wenn auch normal verwirrt. schon fast nicht der Rede wert ist von Susi ausgezogene volle Pampers und dadurch kleiner Fleck in der Liebesdecke (*) – unwesentlich und leicht zu trocknen. Allerdings sind die beiden Hemdchen, die für das Tragen der Pumpe nötig sind, etwas nass am Rücken. Nachdem also ungewöhnliche Entspannung ist, …

heute wollte ich hoch hinaus. die Welt von oben sehen. oder besser, mit Susi nochmal auf einen Berg und Jon sollte es auch gefallen. schließlich hängt die Kabine hinauf zum St Martin dauernd vor unserer Nase rum. und mit der Gästekarte ermäßigt auf 14 Euro rauf und runter pro Nase. lieber 42 euro gespendet als gar nix gespart.

ich habe sogar meine beiden nicht oder nicht mehr bergerfahrenen begleiter auf genügend Schichten kleidung gedrängt, so wie mit dem rad auch.

tatsächlich war’s windig auf 1740m. und meine Frau hod no nia an wind meng. hinzu kam neuerdings Höhenangst trotz sehr stabiler Mauer.

dann eine mittlere gehfaulheit. trotz geteerter Straße mit wenig unebenheiten.

fragt sie: was machen wir hier? sage ich: gehen. sagt sie: können wir unten auch. ich hätte wohl die Kombination gehen und aussicht genießen erwähnen sollen. aber dann hätte sie wohl gesagt: kann ich nicht gleichzeitig. da hätte sie auch wieder recht gehabt.

Ernüchterung.

dann finde ich Jausenstation mit „grandioser Aussicht“. nicht weit. freue mich. aber dann: Ernüchterung: heute Ruhetag. Glückstag heut: diese episode hat sich nur in maps abgespielt.

nicht gut geplant? kein guter Tourguide? ich hatte heute gewählt, weil schönster Tag. und schlechtes Wetter am Berg schlechter als unten.

nach einem hin und her zwischen nirgendwo besonderes und der Bergstation mit eingebautem Bergrestaurant entscheide ich nudelsuppe und Spiegeleier auf Speck. Jon nur Tee und ich zur Feier des Tages Weizen. ich fahr die Seilbahn ja nicht.

starte mit Würstchen Suppe mit echt filigranen Kurznudeln für Susi. weil sie warm will nach und bei Wind. ich denke, Löffeln geht. aber nach kurzem macht Susi ihren Teller Trick: Stützt sich auf den Rand: Nudeln mit Suppe überall. auch auf Hose, Jacke. das mag sie dann auch nicht.

also tausche: aber nach spontanem und blitzschnellem Griff in die Spiegeleier geht’s hier auch nicht weiter.

mein Weizen verliert die aufhübschende Wirkung. ich konzentriere mich auf Rückzug.

nach Warten auf die übernächste Gondel sind wir unten bei den Rädern.

Lernkurve: nur noch Räder ab jetzt. nicht mal kostenlos Zug fahren vielleicht. Fahrplan, pinkeln jetzt, warten im Stehen. dabei würden wir dabei massiv sparen.

hab jetzt den Nachmittag für mich und entspanne bei Latte in Morter. muss man nicht hin. ausser in die KostBar, schon wegen dem Namen. bleibe lieber am Etschradweg.

Bin grad nicht erfolgreich mit Neuem. lieber die bewährten Highlights genießen.

apropos nicht erfolgreich: wenn ich was vergesse in Rahmen meiner Logistik, kennt Jon den Grund: Ich bin verliebt.

zwei Korrekturen zu Morter: die KostBar ist ein geschickt getarnter Dorfladen. modern, sauber, gut bestückt , gut beleuchtet. geniale Kombi für dieses Dorf.

und die Abfahrt durch die endlosen Apfelplantagen ist locker beeindruckend. viel mehr Äpfel als Gehirnzellen in manchen Politiker Gehirnen.

kühl ist es geworden auf dem Weg zum  Radtreff Brugg am Fischteich. einziger Gast. ruhig. gemütlich am Fischteich und Rauschen der Etsch, die hier naturbelassenen kurvt. einer der schönsten Abschnitte des Radweges hier. kaum fahre ich zum 4ten Mal , sehe ich Details und erinnere Streckenverlauf.

was mir schon mehrmals in den Sinn kam in diesen Tagen zu oder nach harten Momenten: Susi war eine maximal gute Gefährtin unser gemeinsames Leben lang ab spätestens Perlach. generell, weil immer alles gemacht, gearbeitet. immer alles für die Kinder getan. Umzüge mit allen Kräften. ich mag das Wort Gefährte. denke an die Fährte gemeinsam verfolgen. hat aber auch zu tun mit fahren, also Reisen. vielleicht auch mit Gefahr, also gemeinsam Gefahren überleben, gemeinsam kämpfen. hat es alles gegeben. alle Elemente sind in unserem Leben enthalten.

darin ist enthalten, dass sie mit mir meiner Fährte gefolgt ist, nicht ihrer. war verglichen mit den heutigen Bedürfnissen und Befindlichkeiten das einfachere setting. aber konsequent gewollt und durchgezogen.

Donnerstag 19.9.

nach einer überraschend zweiten guten Nacht und einem entspannten spaten Frühstück bringt Susi ihren nach dem Teller Trick zweitbesten Verwüstungstrick: eine meiner seltenen Maßnahmen, Sauberkeit im Busserl zu halten ist ein großes handtuch (Hadern) im Wohnraum. diesen klappe ich aus durch die geöffnete Schiebetür um den Dreck von den Schuhen aufzunehmen. meine naive Idee dahinter: ab und zu den Hadern ausschütten ausserhalb und abseits des Busserl. oder auch, bevor er weichen muß wegen Verschiebung der Bank für Bett bauen. diese Idee hat Susi nun zum zweiten Mal modifiziert: packt den Teppich auf die Sitzbank als Knäuel. wie sie überhaupt gerne und oft und lang Knäuel erzeugt. der Effekt ist dann Dreck überall: auf der Sitzbank, dem Boden, im Teppich. Da auch Jon für Susis Blitzattacken zu langsam ist oder vielleicht er Susi gewähren lässt als Ergotherapie, ist vielleicht die beste Lösung keine, also kein Teppich. dann bleibt der Dreck in seiner natürlichen Umgebung, dem Boden und erzeugt keine Kollateralschäden.

apropos wie kommt was gezielt wohin? Essen ist schwieriger geworden, nicht nur wegen dem Teller Trick. gestern Abend dachte ich, Pizza könnte einfach reingehen. gleichzeitig könnte ich den Teller Robotern zusehen. Pizza war dann doch nicht so einfach. Koordinierung von Gabel und Messer tut nicht mehr gut. also schneide ich Häppchen vom griffigen Rand her als Fingerfood und esse selbst den weichen Innenteil mit der Gabel. aber der Plan in Susis Kopf, die Häppchen in die finger zu kriegen und dann in den Mund zu schieben, tut nicht. oder noch besser, ist kein Plan. Susi kann vor dem Essen sitzen, wohlgemerkt hungrig (hat sie gesagt), wie Elisa and friends. da ist nirgends ein Überlebenswille zu sehen. nur träumen oder einfach nix. oder optional, irgendwelche anderen Handlungen, deren Zweck sich jedenfalls mir nicht erschließt. ziemlich oft nicht. oder wie Elisa mal so schön sagte: viel nicht. Wandle ich ab in: viel nix.

zusätzlich fällt dann auch noch ein handliches Stück Pizza aus der Hand auf den Boden. was Nachbars Hund aktiviert. also ich ihm das Stück überlasse, sowieso nicht wissend, wie ich die große Pizza in uns beide reinkriegen soll. denke mir nix oder zu wenig dabei, außer aus der Not eine Tugend machen. Resultat: schimpfe für Hund und mich. von Frauchen. die so aussieht, also könne sie das. insgesamt spaßbefreit. der hund, weil er das nicht darf und ich, weil ich das nicht soll. aus mehreren Gründen. schlimm ist, dass ich das alles selbst weiß oder wusste. ich entschuldige mich bei Hund und Frau und beschliesse, das nächste Stück vom Boden selbst zu essen. und dabei Frauchen anzusehen, just for fun. leider hat Susi jetzt alles im Griff. nix fun. bin sowieso gut beschäftigt , zu verhindern, dass pizzateile in meinem Weizen landen oder Weizen als Soße im Pizzateller.

nachdem Susi wieder den Teller Trick bringt, was zwar keine Sauerei macht, aber immer gut Lärm, nehme ich ihren Teller weg.

Florian kennt das: wieder eine Stunde Entspannung vernichtet.

diese Rückblende war nötig für die heutige Essensauswahl im radtreff: Meraner Wurst mit Pommes. das ist ein langes Stück wie ein Riesen Wienerl und trockene Pommes. da kann nix schiefgehen. glücklicherweise erst am Ende sieht Susi die drei Tütchen mit Senf usw. beschwert sich prompt: wieso krieg ich keinen Senf? sag ich wahrheitsgetreu: ich bin ja nicht blöd oder jedenfalls lernwillig. in der zeit hat sie schon den beutel offen. wozu sie sonst eine Stunde braucht. der jetzt noch sicherste Weg ist, ihr den Senf mit dem Löffel zu füttern. auf das scharfe Zeug ist sie aber dann doch nicht scharf. viel nicht.

nach der durchaus zackigen Abfahrt gibt’s wieder keine 5 Sterne: zu schnell .

was ich vergessen habe: in Schlanders wollte ich Handschuhe kaufen weil Frau klagt über kalte Finger und Teelöffel, weil nicht um Busserl und Tee zu stark und bitter. was ich schaffe, ist ein schöner dunkelgrüner kuscheliger Hausanzug vom Wochenmarkt mit der interessanten Aufschrift oder auch Marke: perfectly imperfect. war so ein Impuls: habe ihr schon lange nichts nur schönes gekauft. ob Susi dies wahrnimmt, werde ich wohl nicht erfahren. aber wenn sie mir darin gefällt, habe ich immerhin die Hälfte dessen erreicht, was Männer im Sinn haben bei solchen Taten.

perfectly imperfect

Handschuhe gab’s dann auch noch, aus dem dritten Supermarkt, Schutzhandschuhe mit Gripp für Haushaltshandwerk. So billig, dass ich gleich 2 Paar genommen habe für den dauerhaften Verbleib in den Rädern. Bessere aus Sportgeschäft gab’s nicht, weil Mittags geschlossen von 12 bis 15 Uhr. was wieder zeigt, dass ich kein guter Tour Guide bin. Immer nah am Scheitern.

aber Abbracci von Mulino Bianco hab ich gefunden: steht für Italien wie Speck. bedeutet Umarmung. sieht ähnlich aus wie  ☯️ ying yang. aber Umarmung ist nicht so neumodern belastet für mich und abbracci klingt viel besser und schmeckt viel besser und erinnert viel besser an die ersten Zeiten in der Toscana am Strand.

unbeschwerte Zeiten mit den Kindern, erstmals am Meer. diese Zeit habe ich mir auch nicht vermiesen lassen durch gerade Konkurs mit meiner Firma SM Software. ich war im komfortablen Neustart mit Siemens und den Versuch war’s allemal wert gewesen. sehr unlangweilig und mit guten Gipfeln. wie Höhenwanderung. irgendwann geht’s halt zurück ins Tal.

Freitag

dritte sehr ruhige Nacht und entspannter schöner Start.

niedrigste Flussrate immer noch zu viel trotz Absenkung gestern. also hat Südtirol oder Abenteuer oder lange Randfahrten oder Wetter gute Wirkung – vielleicht. senke nochmal auf jetzt 1,7 ug/h.

heute große Rad-Fahrt bis Algund oberhalb Meran zum Thronsessel neben dem berühmten Walweg. Temperatur hier max 20, dort 23 Grad, 8h Sonne.

Wetter ab Dienstag Regen und kühler, auch bis runter nach Bozen. also wahrscheinlich Rückreise am Montag.

Wir erreichen tatsächlich den Thronsessel ohne Komplikation, allerdings ist es deutlich kälter als angesgt, weil Sonne oft mal hinter Wolken oder Weg abgeschattet durch Bäume. Trotzdem, wie immer wunderschöne Blicke und sehr entspanntes Fahren auf der Radl Autobahn an der Etsch entlang. Mal wilder Fluss, mal gerader Fluss.

Die ganze Fahrt Musik um die Ohren. meine Musik gibt mir die meisten Stunden Glücksgefühl (viel mehr als nur Momente), Entspannung, Denkanker. sehr zuverlässig, viel besser als ein bisschen Alkohol im Bier oder Film schauen. im Wesentlichen ist es einfach einschalten, umschalten, negatives verdrängen. schön, dass ich das schon seit Kindheit hatte und immer gepflegt habe, durch alle technischen Neuerungen hindurch. Wäre eine eigene Story.

apropos Stimmen: Susi kann wunderbar einschlafen zu den Stimmen von Sven Macht und NIna Schoene. den Inhalt kriegt sie leider nicht mit. So wie sie keine Bücher mehr lesen kann oder Filmen folgen kann oder will, geht sie auch nicht mehr in Hörbücher rein. Aber so ist es besser als nichts. Ich höre manchmal auch nur deren Stimmen ohne den Inhalt bewusst aufzunehmen und lasse mich in den Schlaf begleiten oder auch einschläfern. Gilt auch für „meine“ Songs: oft wirkt einfach die schöne und vertraute Stimme und die Musik und nicht der Text / Inhalt, obwohl ich den Text einigermassen kenne.

Immer wieder lasse ich mich faszinieren von kleinen Geschichten, die ich spontan aus Fremden ziehe. Leider – oder auch nicht leider – ist der Trigger oft unser Tandem, das ohne und mit Mensch zu Gesprächen führt. So wie bei Anderen Hunde, Babies, Kinder, Motorräder Grundlage und Auslöser für Gespräche sind.

Heute waren es zwei nennenswerte:

beim Thronsessel (es gibt nur 2 und beide waren besetzt) setzen wir uns neben Mann aus Niederbayern. In irgendeiner Reihenfolge ergibt sich, er ist seit vielen Jahren oft in Südtirol radfahren, wir auch. Angesichts des etwas mühsamen Aufstiegs von Susi in den Sessel frägt er, ob sie Schlaganfall hatte. Nein, Parkinson. Aha, er hatte auch mal diverses Zittern. Seine Tochter, die Ärztin ist, hat ihn zum Neurologen geschickt, nix Schlimmes zu finden. Aber sein Bruder ist an ALS gestorben mit 50. genetisch in der Familie, Er hatte beim 50 50 Joker den richtigen, ist jetzt 73. Ansonsten, trivialer: fährt auch Rad mit elektrischer Roloff und Riemen, nennt mir einige schöne Radwege. Bewundert dann noch unser Tandem und sagt dann nachdenklich, er bewundert mich, wie ich umgehe mit Krankheit und Leben.

Bei der schönen Radbar Bicigrill bei Staben vor Naturns, die uns schon zum zweiten Mal vor dem nahenden Hungertod rettet, gibts das nächste Gespräch mit erstaunlichen Einblicken innerhalb weniger Augenblicke.

Freundliche und quirlige Bedienung oder eigentlich Nicht-Bedienung, weil Selbstbedienung, die uns aber die Pizza doch an den Tisch bringt, vielleicht angesichts unserer Auftritts mit dem Gespann und Führung von Susi zum Tisch reizt mich auch wegen Südtiroler Sprachfärbung zu Fragen. und es sprudelt: Sie ist nur Aushilfe bei ihrer Cousine, die die Pächterin von diesem interessanten Fleckchen ist, zusammen mit ihrer Frau. Interessantes Fleckchen z.B. weil in einem Baum eingewachsenes Fahrrad oberhalb Kopfhöhe. Sie machen das von Ostern bis Oktober. Dann nix. Ich sage, wie wir. Wie das? Campingplatz. Ui, würde sie auch gerne machen, ihre beste Freundin hat den Campingplatz Via Claudia Augusta in Meran. So gibt ein Wort das andere bzw eine Information die nächste.

Am Ende weiss ich, dass sie erst vor kurzem aus Neuseeland zurückgekommen ist. Mit ihrer Tochter, eine Halb-Maori. Deren Vater, ihr Mann, nicht mehr ihr Mann sein wollte und das Kind jetzt doch lieber in dieser schönen Südtiroler Welt, in Meran eine weitere Sprache neben Englisch lernen sollte. Eigentlich hatten wir nur abstrakt über Höhen und Tiefen geredet, die zu vermuten sind, wenn Bewegung nach Neuseeland und zurück.

Sie wollte wissen, wo unser Campingplatz ist, habe ihr unsere Website gegeben.
Zum Abschied sagt sie sehr explizit, sie bewundert mich, wie ich umgehe mit Susis Zustand.

45 km waren es heute dann.

2 km vor Zuhause sind beide Akkus leer. Nur 2 km aber mit Steigungen. Habe keine Lust auf mit ohne Motor und Jon ist nicht scharf auf Schleppen mit dem starken Isy mit Gurt. Also lieber Technik Zauber: hole mit dem Isy Allpowers R600 Powerbox aus Busserl, aber wir verfehlen uns, weil Jon einfach weiterfährt, aber ich andere Route fahre, als er denkt und ich denke nicht, dass er den Helden spielt und Muskeln spielen lässt. Jon hatte unser Zugpferd nicht geladen, deshalb sind wir aufgelaufen, ansonsten kriegen wir unsere Akkus nicht leer und schon gar nicht beide. Eigentlich macht er immer alles und mag es nicht, wenn ich nachfrage. Er sagt dann immer, er macht immer alles. Naja, war ja kein Problem, weil keine Entfernung.

Brotzeit mit Speck noch von zuhause und vinschgerl aussen vor Busserl weil Susi Hunger hat. Trotz Fütterung mit Pizza und Apfelstrudel bei Radbar Bicigrill. Bin froh, wenn sie isst. Bei Speck bin ich sowieso immer dabei.

Statt Film schauen zuhause, gibts hier um 20 Uhr in der gemütlich geheizten Busserl Höhle diese Zeilen mit natürlich Musik in den Ohren, damit Susi beim Schnarchen nicht gestört ist. Mit drei unterschiedlichen Methoden, mir Musik nahezubringen, komme ich hier sehr gut durch.

Vorher hatte Susi noch die Einlage, den Tee aufs Bett zu verschütten, den sie unbedingt wollte. Jon verwöhnt sie immer mit Chai, Tee heisst rumänisch auch so. Schon bewährt sich Ersatzbezug und meine Wäscheaufhänge im Busserl. Dabei sieht Jon erstmals den großen Schub unterm Bett und freut sich wieder mal über das Wunderwerk Busserl, wo jeder Kubikzentimeter genutzt ist.

Ich war grad noch bei den Nachbarn, englisches Paar mit Rad und Zelt, gerade zurück aus Australien und jetzt auf Europatour. Auch wir wissen jetzt einiges voneinander und vielleicht besuchen sie uns auf der Rückreise.

Dieser Tag ist ein bisschen can filme, wie der Rumäne sagt, wie im Film. Sagt Susi schon lange zu unglaublichen Situationen in unserem realen Leben. Schon wieder nicht langweilig. Durchaus hübsche Mischung, gut gewürzt und jederzeit für Überraschungen gut. Die Kunst ist, die weniger hübschen zu ignorieren.

Sonntag, letzter Tag

Wieder unterwegs mit den Rädern schnappe ich bei Amy den Begriff „made up memories“ auf. Genauer: But it’s the Made up Memories I love the most. aus dem Song Self Made Orphan. Also aufgehübschte / getunte bis erfundene Erinnerungen.

Schöner Begriff für viele Fotos, die gerne nur das Beste zeigen, auf Biegen und Brechen ausgeschnitten, und manche Geschichten, die ich schreibe.

Bezüglich Fotos gilt das auch für Johanna und Georg 🙂

Montag, Rückfahrt über Innsbruck / Caroline bis vor München

Gestern Abend wieder mal und insgesamt schon oft: Ich kann anderen Menschen mit Beeinträchtigung (oder auch noch keiner) helfen durch zeigen, wie Leben trotz Allem geht auf hübsch oder gut oder erträglich gedreht. Gestern abend war’s eine Schlaganfall Betroffene, für die unsere Räder ein Weg wären.

Auch dazu ein Satz von Amy: waiting to run out of whine, aus dem Song No Room for baby. wörtlich: warten, aus den Tränen zu laufen / alle Tränen aufgebracht haben. Also mit dem Jammern aufhören.

Ab hier schreibe ich nach der Reise, also ab Mittwoch 25.9. , was ich nicht verlieren will an Gedanken.

dahoam is dahoam sagt Jon, wenn er dahoam ankommt. wo wir wieder gut gelandet sind. aber keiner klatscht von diesen beiden Banausen.

Heimreise I am Montag bis Irschenberg

Schweizer Kurven:
beste Berg Kurven und enge Tunnels ever. wegen Umleitung durch Schweiz aufgrund Straßenbau auf Stammstrecke.
da durfte mein roter Schatz mal Muskeln spielen lassen.
und ich hatte das Glück, dass keiner vor mir mich behindert hat.
Jon hat mich gefragt, ob ich die falsche Straße erwischt hätte, weil doch auf dem Hinweg alles einfach war. er war etwas in Aufruhr angesichts diverser Abgründe.
meine Begründung, dass wir über den Brenner für fühlbar Maut in einem ebenso fühlbaren Stau gekrochen waren, und die jetzige hübsche Strecke gleiche Zeit für weniger Geld und Langeweile ergibt, hat ihn nicht überzeugt.

Caroline im Rosenberger

Sonderstellung am Irschenberg bei Sturm und Regen nachts

Drei Lamborghini nebeneinander mit Nürnberger Kennzeichen

Rückfahrt II am Dienstag über München

Reifenwechsel und Einpacken in Anhänger:

Diese Problemstellung resultiert aus 2 Busserln mit 3 Fahrern an 3 Orten: Reifensätze (Winter / Sommer) waren verteilt auf München (Mahag Nutzfahrzeuge) und Nittenau (Lacher, mein VAG für Bodenwöhr). Je nachdem, wem wann welcher Reifenwechselbedarf einfällt, sind Reifen einfach am falschen Ort. Auch, weil mindestens 2 der 3 Fahrer keinen Platz für einen Reifensatz zuhause haben. Konkret ging es darum, die falschen aber zulässigen Winterreifen auf nun wieder meinem T6.1 gegen die für ihn richtigen zu tauschen und den dann richtigen Satz für nun Florians T6.0 von München nach Bodenwöhr zu bringen. Also ein fast geschenkter Transport im sowieso fast an Mahag Nutzfahrzeuge München vorbeifahrenden Busserl samt Anhänger. Wieder mal ein Fall von für ganz andere Zwecke oder aus anderen Gründen vorhandene Infrastruktur dann kostenlos und ohne Aufwand nutzen. Und wieder mal passt was auf cm in den dadurch vorhandenen Raum. Passt also exakt auf die vorhandenen Möglichkeiten.

Probefahrt T7 Hybrid nach Markt Schwaben:

Weil ich sowieso wegen der Reifen zum Mahag mussten, konnte ich eine zweite Testfahrt mit dem T7 Multivan Hybrid (fahrtechnisch baugleich mit dem kommenden California) machen. So war die Zeit für den Reifentausch perfekt genutzt und ich hatte eine (Zeit)Reise nach Markt Schwaben in Vergangenheit und aktuelles Leben von Jonas. Meine beiden Mitfahrer konnten damit zwar nicht viel anfangen, aber mitgefangen, mitgefahren.

In diesem Zusammenhang nochmal die Drei Lamborghini nebeneinander mit Nürnberger Kennzeichen an der Raststätte Irschenberg an der Tankstelle. Jon hat nachgesehen, was die kosten: Wir fanden um die 300 bis 400 Tausend – pro Stück – nicht für den Dreierpack. Also stehen dort in Geldwert ein Duzend nagelneue Californias. Die Lamborghinis haben keinen Platz bis sehr wenig Platz innen, keine 4 Betten, keine Küche, kein Dachzelt, keine autarke Stromversorgung. Machen überflüssige Geräusche und können ihren einzigen Vorteil im Laufe ihres Lebens an wenigen Stellen und zu wenigen Zeiten ausfahren, überwiegen nachts, nämlich faktisch nur unwesentlich schneller zu fahren (schneller als 200) als meine Wohnung auf Rädern. Vermutlich gut geeignet, gewisse Typen von Frauen zu beeindrucken, eine solche hat sich auch kurz rausgewurschtelt. Wahrscheinlich könnte die wiederum im Busserl nicht glücklich werden. Ich stelle mir diese Fahrer im Stau vor, siehe unten: muss eine Qual sein. Auch, weil sie gar nicht sehen, was sich vorne tut. Die haben diesbezüglich etwa den Blick, wie wir aus den Liegerädern.

Gedanken zur Fahrt an sich: Oftmals kommt mir in den Sinn, dass ich beim Autofahren, oder besser, als Fahrer dieses Autos, glücklich bin. Da muss ich nichts anderes tun, als glücklich sein. Da kann ich nichts anderes tun, als glücklich sein, entspannt, nur im Moment. Ich kann ja gar nichts anderes tun. Vorausgesetzt, Susi macht nicht gerade Drama hinten, dann wird’s mühsam mit entspannt sein. Glücklich mit meiner Musik in den Ohren und sonst nichts. Sonst Stille. Auf die Texte hören, neue Fragmente verstehen. Oder auch nix konkretes hören, nichts denken, oder die Gedanken denken was sie gerade wollen. Ich könnte mir natürlich Sorgen machen, oder hadern, irgendwas würde ich schon finden. Muss ich aber nicht.

Die ganzen über 1000 km keine einzige gefährliche Aktion oder stark blöder anderer Verkehrsteilnehmer. Gegenüber Stau bin ich immun. Freue mich immer, wenn ich nicht der Grund bin, ganz vorne. Und jetzt kommts: Einer der größten Staus, die ich je gesehen habe. Zuerst weiche ich noch aus auf Raststätte wegen angesagter 20 Minuten Verzögerung und ich sowieso Pause brauchen kann. Aber der Stau ist auch nach 30 Minuten noch nicht abgeräumt, also doch sich so anstellen. Dann gemütlich mit um die 20 km/h auf der rechten von drei dicht kriechenden Spuren sehen, wie wir uns dem Beginn der roten Staulinie in maps nähern. kein Stress.

Dann aber sehen, wie es sein könnte oder wie es ganz plötzlich nicht mehr sein könnte: ein Sattelschlepper hat die Mittelplanke durchbrochen und steht weit in die entgegenkommende Fahrbahn, vermutlich die dortige linke und mittlere Spur. Das Zugfahrzeug total eingeknickt. Blaulichter überall. Mehrere Bergefahrzeuge. Wenn du in diesem Moment vor dieser Stelle bist, schreibst du keinen Blog mehr. Und vermutlich mehrere andere auch nicht.

Wir waren jetzt also wieder in Fahrt. Auf der Gegenseite viele km Stau – Stillstand. Menschen unterhalten sich auf der Straße, lehnen an der Leitplanke. Immerhin schönes Wetter für so einen spontanen sozialen Event.

Dann keine Fahrzeuge – leere Autobahn. Dann viele km Stau vor der erstmöglichen Ausleitungsstelle, ab der gesperrt war. Dann deutlicher Stau vor Raststätte Holledau, weil sich wohl viele denken, sie rasten lieber als im Stau stehen.

Insgesamt sehr beeindruckend, so als Option. Und mit der Gewissheit, auf der richtigen Seite gewesen zu sein. Und überhaupt: Im richtigen Land zu sein. Woanders lachen sie über einen Lastwagen, der vielleicht ein paar zehn Leben beendet. Das können die jeden Tag mehrfach, sogar absichtlich.

Apropos richtiges Land: Wir hatten als Campinplatznachbarn ein Schweizer Paar mit Wohnmobil. Die hatten einen Teppich unter der Markise, professionell befestigt. Der Schweizer hat jeden Morgen mit einem ca. 1m hohen Beserl fein säuberlich den Teppich gekehrt. Jon hat sich jedesmal gekringelt. Aber: Wenn ich mal einen Teppich habe, kehre ich auch vor meiner Türe. Siehe weiter oben. Vielleicht.

Resümee aus allem: Ich werde es wieder tun. Trotz oder wegen der beschriebenen Mischung. Zum Teil auch, weil ich’s wissen will: Niad nouloun, oberpfälzisch, heisst nicht nachlassen, oder freier: nur nicht nachlassen. Hat die Frau von Paul, Onkel von mir, als fast einzigen Satz noch gesagt in der Zeit vor Ihrem Ende bei Besuchen. Sie war vermutlich dement und insgesamt stark hinfällig, auch gut alt, ca. 90 Jahre. Das war ihre Antwort auf die übliche Frage, wie es denn geht.

Und auch, weil Susis Sprüche immer wieder sagenhaft gut sind: Wir waren zu dritt auf Toilette in Radl-Raststation. Als wir rauskommen, sagt Susi zu den mehreren wartenden Frauen: Guten Appetit. Jon hat fast Krämpfe bekommen vor Lachen.

Und auch ihre unverminderte Produktion von Ausreden und Erklärungen und Verkomplizierung von einfachsten Fragen meinerseits, die locker mit ja/nein beantwortbar wären, sind kultig. Wenn ich gerade die Nerven dazu habe. Manchmal nicht. Oder andersrum: Fragen von Susi an mich, die ganz und gar nicht beantwortbar sind. Sicher nicht mit ja oder nein. Aber vielleicht wär’s die Lösung: Einfach ja oder nein sagen. Sie mag es nämlich nicht, wenn ich sage, ich verstehe ihre Frage nicht. Sie sagt dann nämlich oft mal, dass ich das oft mal sage.

Ausserdem ist so manche Unmutsäusserung über ihr Pflegepersonal ebenfalls bühnenfähig. Dazu muss man noch wissen, dass sie über deutlich mehr Pflegediener verfügt, als ich sehe. Samt Personen jeglichen Geschlechts, die in Verbindung stehen mit den zwei für mich realen Männern.

Ich habe die Tage mal gelernt, dass sich die Komfortzone selbsttätig immer weiter einengt, wenn man sie nicht aktiv ausdehnt, also verlässt. Man sich also immer mehr einigelt in Gewohnheit und selbstgebautem Käfig.

Im Sinne von Infrastruktur sind wir in der Idylle am See massiv besser aufgestellt, als im Busserl auf Campingplatz. Manche Restriktion in Raum und Tools ist schon sehr spürbar unterwegs. Das gilt sogar für Blumau. Wie Jon so schön sagt: dahoam is dahoam. Aber eben Komfortzone, wenn auch schön.

Ein schöner Begriff fällt mir noch ein: Outwinden sagen Niederländer, wenn der Wind das Gehirn lüftet. Vermutlich auch als Metapher: gewaltsam durchlüften, den Staub raus, frische Gedanken, frische Eindrücke, andere Menschen, andere Geschichten.

Auch Jon antwortet ohne Zögern, jetzt dahoam: Ja, wir machen Südtirol wieder, jederzeit. Susi frag ich erst, wenn so weit ist. und dann weiss ich nicht, ob ihre Antwort bewusst und zuverlässig und nachhaltig ist. Vielleicht frag ich auch lieber nicht. Weil dann kann Susi sich zu Recht entrüsten, wenn Susi Wotzek zu ihr sagt: schönen Urlaub. Die meine Susi aber giftelt: So ein Mist, mir sagt ja keiner was, jetzt hab ich nix gepackt.

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Bonus Track vs Restlaufzeit

Beim Schwimmen heute (26.9.) eingefallen. Septemberliche, eigentlich oktoberliche 17,3 Grad im See bei schönster Sonne. Sonnen auf Trampolin, Ruhe, alleine, das alles triggert den Gedanken:

Bonus Track! Gefällt mir gut als mein Motto für die nächsten Jahre. Das ist ja eine Zugabe zum Pflicht Inhalt. In der Regel eine schöne oder / und besondere in diverser Hinsicht. Mal lustig, mal informativ, mal einfach Zugabe. Bekannt von DVD’s (Film / Serie), manchmal auch CD’s (Musik). Füge ich hinzu, weil ein Leser nicht wusste, was ein Bonus Track ist.

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Do you think it could wait

ich fürchte, lang nicht mehr. beginne zu (ver)zweifeln.

was kann vielleicht nicht mehr lange warten? Das Heim!

the moments we fly werden immer rarer und kürzer.

we have to begin to face the troubles we are.


zufällig springt mir folgender Beitrag in meinen Weg. nicht, dass ich es nicht gewusst hätte, aber der Text ist so schön kurz aber wuchtig.

The long goodbye.

Robin Williams committed suicide because he was diagnosed with Lewy Body Dementia… Bruce Willis just learned that his illness is Frontotemporal Dementia (FTD) and Lewy Body Dementia… One of the hardest things to process is the slow change in the one you love… Becoming a completely different person… Everything changes… Just so you know…😢 It’s called the long goodbye… Rapidly shrinking brain is how a doctor described it… As the patient’s brain slowly dies, they change physically and eventually forget who their loved ones are and become less themselves… Patients can eventually become bedridden, unable to move and unable to eat or drink or talk to their loved ones… There will be people who will scroll by this message because Dementia or Alzheimer’s has not touched them… They may not know what it’s like to have a loved one who has fought or is fighting a battle against Dementia or Alzheimer’s…

Saying a long goodbye to my father.

yes. i join in. saying goodbye to my wife for exactly this reason.
want to add two of my favourite songs about this:


and from my biggest helper in this dark hard time: Sophie Zelmani:


Thank you Sophie for all the good times you induce to me.


und so sieht es nach einem neuen Kapitel, einer neuen Staffel aus. mit sehr passendem Titel und -Song.


was bisher war:

too much to find words for (2023.03)

what is closing you in? must be a giant dream. Oh dear. (2023.01)

with or without you (2022.11)


24.6. Samstag

weiss nicht, hier schreiben oder nur sinnieren oder an Website basteln oder O.C. schauen.

Serie schauen reicht nicht mehr für einen halbwegs entspannten Abend. Reden können wir ziemlich nicht mehr, gibt nur noch surreale Ungeschichten, die mir mittlerweile ob der Häufigkeit und Heftigkeit Schweissausbrüche verursachen. Deshalb gibts erst recht nicht draussen sitzen in lauer Sommernacht auf unserer genialen Terrasse. Ist erstens ziemlich garantiert nicht entspannend und zweitens ist der fast schon regelmässige Ablauf nichts für die Bühne. Also verkriechen vor die Glotze, wie so viele es tun. Auch spazieren gehen am schönen Abendsee geht nicht mehr, gibt fast sicher Zoff oder stillschweigende Wahnsinns Gewurschtel im Kopf.

Habe grad mal Glück, dass sie ausnahmsweise um 21 Uhr schon im Bett ist, wohl sehr müde, weil ab nachts 4 Uhr in Aktion gewesen. Ich auch. Mit dem Hinweis von ihr, ich solle doch Schlaftabletten nehmen, wenn ich nicht schlafen kann. Wenn ich nicht schlafen kann, weil sie ab 3 oder 4 „zusammenpackt“ oder sich wenigstens anziehen will, aber nicht kann für „den Termin“ oder das Frühstück. Hinweise auf die Urzeit helfen nicht (wer sagt das, dass es 4 Uhr ist), Uhrzeit wäre auch 2 – 3 mal mal gut zu lesen im Schlafzimmer. Wenn dann Jon um 5 kommt, weil von mir alarmiert und ihr auf rumänisch sagt, es wäre 5 Uhr und sie solle schlafen, kriecht sie ins Bett und hält sich ruhig, für 10 Minuten.

Sitze also im Wohnzimmer mit Musik unter den Ohren, schreibe das hier. Gerade kurz vorm Bett gabs wieder die Story von Florian, den wir wo? treffen und der einen Tip braucht, was er essen soll. Wenn ich sage, es ist kein Treffen geplant, sagt sie „ok“. Aber bekommt er jetzt den Tip, was essen?

Jon beginnt zunehmend zu jammern, er verstünde ziemlich gar nichts mehr. Macht es trotzdem gut, ist lieb zu ihr und ruhig.

Ich habe das Gefühl, diese Geschichten sind wie Beschuss (m)einer Armierung und die berechtigte Sorge kommt auf, wann geht was durch?

tagsüber bin ich meistens in der Rezeption. Für normale Arbeit und seit Tagen Basteln an der neuen Homepage. Ist im ersten Anlauf nach kurzer Zeit schon mal sinnvoll und gut geworden, wenn auch noch sehr viel Inhalt fehlt. Bin aber jetzt auf Empfehlung auf eine mächtigere Basis oberhalb wordpress geschwenkt. Die ist aber leider doch weniger kompatibel als ich hoffte. Braucht Lernkurve. Aber schließlich habe ich folgendes Vorbild:

reschio.com

sind sehr schöne Bilderspiele drin. Da will ich in die Nähe kommen, gestalterisch. Mit den Bildern kann ich einigermassen mithalten.


In der Rezeption gibts dann manchmal Besuch. Von ihr. Manchmal lieb, oft vorwurfsvoll oder sonstige Klagen. Aber Jon ist viel unterwegs mit ihr per pedes und pedal. Manchmal ist er alleine unterwegs und sucht sie, wenn sie ausgebüchst ist, was arbeiten. naja, wie ich halt auch.


got to go with Love bzw I got to go with Love.

Sie kann mittlerweile so präzise das Wesentliche nicht sagen, aber auf hohem Niveau, dass sich Regierungssprecher Scheiben abschneiden könnten. Da schimmert oft eine unglaubliche sprachliche Intelligenz durch. Aber weh tuts schon, auch nach 5 Nachfragen keinerlei Boden unter die Füße zu bekommen, eher noch den Sandberg hinunterzurutschen oder im Sumpf zu versinken. Da ist ihr nicht zu helfen und mir auch nicht. Vermutlich ähnliches Gefühl, wie mit Trump zu diskutieren. lauter fake news.

Montag 26.6.

heute Renate Woschee, habe gerade vorbereitet. macht Schweiß, Schwindel und Kopfweh.


passt Grad gut:

Ziemlich fiese Doppeldeutigkeit: 1. Es muss mit Liebe gehen (erbracht werden). oder 2. Ich muss in Liebe gehen. So ist sie, die Sophie. Wenn ich so will.


Termin bei Renate Woschee:

Ergebnis: Sie besucht uns demnächst (Hausbesuch, um Susi zu schonen). Sie meint, sie könnte dann das Fentanyl Pflaster verschreiben, gegen Schmerzen.

Allerdings ist sie keine Palliativ-Ärztin (keine Zusatz-Qualifikation), begleitet nur beiläufig, teilweise auch in Zusammenarbeit mit Pallicura.

Bin also gespannt, ob das gleiche passiert wie bei Windisch oder nicht.

Mein Blutdruck ist zu hoch, hab jetzt zweites Mittel.


Ansonsten war während meiner Abwesenheit Susi eine Plage. Für Jon, für SuWo (im Laden rambazamba) und für mich (hat mich 4 mal angerufen, wärend ich unterwegs war). Erzählt nur noch schwierige Geschichten.


Und dann belastet mich, dass Florian heute gefeuert wurde. Habe ihm zugeredet, es eher positiv zu nehmen. Hat mich erst mal auch erwischt heute mittag. Aber mittlerweile bin ich sicher, dieses neue Konstrukt dort konnte nicht mehr funktionieren. Die Firma hat sich massiv geändert seit Florian dort begonnen hatte.


neue Website ist technisch hakelig, kann meine Kreativität und Bastelfreude nicht entspannt ausleben.

Freitag 07.07.23

Kurz Update:

Jonas ist auf dem Weg nach Portugal mit Tanja im Busserl. Semi Arbeits-Fahrt: Beifahrer arbeitet.

Montag abend kommt Florian mit Fahrrad aus Regensburg und fährt Dienstag Mittag wieder heim. Wir haben gut Zeit zu reden über uns (Susi) und über seine Misere mit Arbeit, die ich aber insgesamt für einen Glücksfall halte.

Dienstag Renate Woschee macht Hausbesuch bei Susi / uns. sehr angenehm und entspannt. Thema ist nur Parkinson und Schmerzen. Rezept über 10x Fentanyl 25mg. hat 1 Pflaster gleich dabeigehabt.

Ich meine, dass das Pflaster (seit Dienstag abend drauf) emotional die gute Wirkung hat, die auch in der damaligen Versuchszeit zu beobachten war.

Marienheim in Neunburg angeschaut am Mittwoch und mit Leiter Herr Weiß gesprochen. Sieht schön aus, aber ich warte noch. Daten sind dort. Parallel auch in Schwarzenfeld angemeldet. Rezept geholt.

Details dazu später aber insgesamt (einschließlich sichtbarer bzw angenommener Wirkung von Fentanyl) ist meine aktuelle Entscheidung, das Heim auf unbestimmt zu verschieben.

heute Vela Stuhl in Nürnberg repariert. Besuch bei Katja und Gottfried mit Jon. schöner Halbtagsausflug.

Fentanyl aus Apotheke geholt. Und Domperidon gegen Verstopfung. zusätzlich zu nehmen zu Movicol und Leinsamen.

heute 40 Anreisen. bin gerade nicht überflüssig. schreibe an diesen Zeilen buchtäblich schon stundenlang.

Mittwoch 2.8.

komme zu nix Schreiben. viel Geschäft, kleinere Pannen, also Summary:

seit Samstag Jonas mit den 3. seit Montag zusätzlich Laura und Florian. Full house, aber dank Laura und Kerstin jeden Werktag vormittags hier, machbar.

Am Dienstag ist Sandu, der Unbrauchbare, ersetzt worden durch den jetzt erst recht geschätzten Jon. Krasser Unterschied.

Susi seit Pflaster etwas besser und mit verminderter Dosis von Levodopa und Mirtazapin und kein Schlafmittel.

Durch viel Ablenkung aka Arbeit und Lernkurve, auch emotional, ist das Leben mit Susi immer noch akzeptabel. Allerdings mit den gewohnten Höhen und Tiefen.